{"id":546,"date":"2013-10-25T10:25:40","date_gmt":"2013-10-25T08:25:40","guid":{"rendered":"http:\/\/kathrinklette.com\/?p=546"},"modified":"2022-07-31T21:58:14","modified_gmt":"2022-07-31T19:58:14","slug":"546","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/kathrinklette.com\/?p=546","title":{"rendered":"Duldung"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Lebach, eine Stadt mit etwa 20 000 Einwohnern im Saarland, 16 Kilometer von Saarlouis entfernt. Am Rande von Lebach liegt die Landesaufnahmestelle, die erste Anlaufstelle f\u00fcr Asylsuchende und Fl\u00fcchtlinge. Hier leben fast 1370 Personen, Ende September 2013 war die Unterkunft fast ausgelastet. Die meisten Bewohner kommen aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak. Die Unterkunft nennen sie einfach nur: das \u201eLager\u201c.<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Viele Bewohner der Landesaufnahmestelle sind nur geduldet. Eine Duldung, so heisst es im Gesetz, bedeutet, dass die Abschiebung \u201evor\u00fcbergehend ausgesetzt\u201c wurde. Ein abgelehnter Asylsuchender erh\u00e4lt diesen Status, wenn er nicht ausreisen kann, weil er zum Beispiel krank ist, weil Ausweise fehlen oder seine Heimat f\u00fcr ihn zu gef\u00e4hrlich ist. Bisweilen ist auch die Infrastruktur im jeweiligen Heimatland zerst\u00f6rt, so dass eine Ausreise nicht m\u00f6glich ist. <\/span><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Eine Duldung kann immer wieder verl\u00e4ngert werden, jeweils f\u00fcr maximal drei Monate. Geduldete k\u00f6nnen jederzeit abgeschoben werden, jederzeit, das heisst auch: jede Nacht. Es ist ein Leben in permanenter Anspannung und Unsicherheit, in dem selbstbestimmte Entscheidungen \u00fcber die eigene Existenz und die der Familie nicht m\u00f6glich sind. Einige der Jugendlichen haben ihre gesamte Kindheit in Lebach verbracht; auch ihre Geschwister wurden dort geboren. Manche leben dort seit mehr als 14 Jahren. <\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr ihre Abschlussarbeit an der Ostkreuz-Fotoschule hat Stefanie Schulz, die selbst in einem Sp\u00e4taussiedlerheim in Baden-W\u00fcrttemberg geboren wurde, die Landesaufnahmestelle Lebach besucht. Zwischen August 2012 und August 2013 fuhr sie etwa einmal im Monat ins Saarland und lernte die Fl\u00fcchtlinge und ihr Leben kennen. Bisweilen war der Kontakt sehr eng: Die Fotografin a\u00df mit den Bewohnern, schlief bei ihnen, teilte deren Alltag.<\/span><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Entstanden sind so atmosph\u00e4rische Portraits und Momentaufnahmen des Lebens in Lebach, das f\u00fcr die Bewohner nur ein Zuhause auf Zeit ist. Die Fotografin konzentrierte sich vor allem auf die Heranwachsenden und begleitete sie bei ihrer Suche nach einer Identit\u00e4t.<\/span><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Einerseits sprechen viele Jugendliche zwar bisweilen gut Deutsch, besuchen eine Realschule oder machen eine Ausbildung. Andererseits laden sie selten ihre wenigen deutschen Freunde ein \u2013 zu gro\u00df ist die Scham. Kino oder Clubbesuche, Unternehmungen in der Stadt, sind f\u00fcr die meisten zu teuer. Stattdessen bleiben sie unter sich. Sie h\u00f6ren Musik, ziehen durch die Wohnblocks, spielen Fu\u00dfball oder Karten. Das Fl\u00fcchtlingsheim ist eine geschlossene Welt; gemeinsam erlebtes Leid schwei\u00dft zusammen. <\/span><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Viele Heranwachsende wirken \u00e4lter und ernster als f\u00fcr ihr Alter \u00fcblich. Sie selbst nennen sich \u201eAusl\u00e4nder\u201c, sind sie doch eigentlich nirgendwo zu Hause, weder hier, wo sie nur geduldet sind, noch dort, in diesem fernen Land, das f\u00fcr ihre Eltern Heimat ist, sie selbst aber nur aus dem Fernsehen kennen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<pre>in: Stefanie Schulz (Hg.): Duldung. Abschlussarbeit an\r\nder Ostkreuzschule f\u00fcr Fotografie 2013. <a title=\"Ausstellung\" href=\"http:\/\/www.sieben-ausstellung.de\/stefanie-schulz\">Ausstellung<\/a> bis zum \r\n08. November 2013 in den Berliner Uferhallen<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lebach, eine Stadt mit etwa 20 000 Einwohnern im Saarland, 16 Kilometer von Saarlouis entfernt. Am Rande von Lebach liegt die Landesaufnahmestelle, die erste Anlaufstelle f\u00fcr Asylsuchende und Fl\u00fcchtlinge. Hier leben fast 1370 Personen, Ende September 2013 war die Unterkunft fast ausgelastet. Die meisten Bewohner kommen aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak. Die Unterkunft nennen sie einfach nur: das \u201eLager\u201c. Viele Bewohner der Landesaufnahmestelle sind nur geduldet. Eine Duldung, so heisst es im Gesetz, bedeutet, dass die Abschiebung \u201evor\u00fcbergehend ausgesetzt\u201c wurde. Ein abgelehnter Asylsuchender erh\u00e4lt diesen Status, wenn er nicht ausreisen kann, weil er zum Beispiel krank ist, weil Ausweise fehlen oder seine Heimat f\u00fcr ihn zu gef\u00e4hrlich ist. 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