{"id":269,"date":"2012-01-16T20:46:18","date_gmt":"2012-01-16T20:46:18","guid":{"rendered":"http:\/\/kathrin-klette.de\/?p=269"},"modified":"2024-08-23T22:38:30","modified_gmt":"2024-08-23T20:38:30","slug":"comics-sind-sehr-effizient","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/kathrinklette.com\/?p=269","title":{"rendered":"&#8222;Comics sind sehr effizient&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Der kanadische K\u00fcnstler Guy Delisle, 45, \u00fcber gezeichnete Konflikte<\/p>\n<p>SPIEGEL: Sie sind im August 2008 mit Ihrer Familie nach Jerusalem gezogen und haben \u00fcber Ihre Erlebnisse einen Comic verfasst. Eignet sich ein Leben in Israel f\u00fcr lustige Zeichnungen?<\/p>\n<p>Delisle: Mir ging es nicht darum, politische Konflikte zu beschreiben oder Schl\u00fcsse zu ziehen. Ich habe einfach meinen Alltag beobachtet und mich mit den Leuten unterhalten, die mir begegnet sind. Ich zeige dem Leser mein Leben, mehr nicht.<\/p>\n<p>SPIEGEL: Ihre Frau arbeitete bei &#8222;\u00c4rzte ohne Grenzen&#8220; im Westjordanland und im Gaza-Streifen. Die Familie lebte im Osten Jerusalems, dem arabischen Teil. Wie sah Ihr Alltag aus?<\/p>\n<p>Delisle: Ost-Jerusalem ist sehr heruntergekommen und schmutzig. Einige Stra\u00dfen sind nicht asphaltiert. Es gibt ein paar Caf\u00e9s, aber die meisten sind leer. Es sieht dort eher wie in einem Dritte-Welt-Land aus. Meine Frau musste immer einen Checkpoint passieren, um zur Arbeit zu kommen.<\/p>\n<p>SPIEGEL: In Ihrem Comic &#8222;Chroniques de J\u00e9rusalem&#8220; sind auch die Sperranlagen zu sehen, die Israel vom Westjordanland trennen.<\/p>\n<p>Delisle: Diesen Schutzzaun hat man im Osten Jerusalems jederzeit vor Augen. Ich bin viel mit dem Auto herumgefahren. Die Mauer schl\u00e4ngelt sich um ganze D\u00f6rfer, sogar um H\u00e4user. Ich habe viele Skizzen von der Mauer gemacht. Das war auch grafisch faszinierend.<\/p>\n<p>SPIEGEL: Ende 2008 startete Israel eine Luftoffensive auf den Gaza-Streifen. Wie haben Sie die Angriffe erlebt?<\/p>\n<p>Delisle: Wir waren ganz in der N\u00e4he, der Gaza-Streifen war nur eineinhalb Autostunden entfernt, trotzdem haben wir das gemacht, was alle anderen auch taten: Wir haben al-Dschasira geguckt. F\u00fcr die Menschen in Gaza war die Situation beklemmend: Niemand durfte das Gebiet verlassen.<\/p>\n<p>SPIEGEL: Der Nahost-Konflikt ist ja schwere Kost. Trotzdem ist Ihr Buch in Frankreich ein Erfolg. Sind Comics die besseren Lehrb\u00fccher?<\/p>\n<p>Delisle: Comics sind sehr effizient, wenn man Dinge erkl\u00e4ren will. Man hat die Zeichnung, den Text oder auch eine Grafik. Ich kann auf einer halben Seite erkl\u00e4ren, was der Tempelberg ist. Au\u00dferdem habe ich die M\u00f6glichkeit, humorvoll zu schreiben. Und Spa\u00df dabei haben, wenn man etwas \u00fcber Jerusalem liest, das geht ja mit einer Zeitung eher selten.<\/p>\n<p>Guy Delisle: &#8222;Chroniques de J\u00e9rusalem&#8220;. \u00c9ditions Delcourt, Paris; 336 Seiten; 25,50 Euro. Ab M\u00e4rz auch auf Deutsch erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p>[\u00a9 <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-83588353.html\">DER SPIEGEL<\/a>, 03\/2012]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der kanadische K\u00fcnstler Guy Delisle, 45, \u00fcber gezeichnete Konflikte SPIEGEL: Sie sind im August 2008 mit Ihrer Familie nach Jerusalem gezogen und haben \u00fcber Ihre Erlebnisse einen Comic verfasst. Eignet sich ein Leben in Israel f\u00fcr lustige Zeichnungen? Delisle: Mir ging es nicht darum, politische Konflikte zu beschreiben oder Schl\u00fcsse zu ziehen. Ich habe einfach meinen Alltag beobachtet und mich mit den Leuten unterhalten, die mir begegnet sind. Ich zeige dem Leser mein Leben, mehr nicht. 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