{"id":264,"date":"2012-02-27T20:40:15","date_gmt":"2012-02-27T20:40:15","guid":{"rendered":"http:\/\/kathrin-klette.de\/?p=264"},"modified":"2019-01-15T16:46:22","modified_gmt":"2019-01-15T15:46:22","slug":"da-waren-nicht-nur-dunkle-seiten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/kathrinklette.com\/?p=264","title":{"rendered":"&#8222;Da waren nicht nur dunkle Seiten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>John Carter Cash, 41, Musikproduzent, \u00fcber das Verm\u00e4chtnis seines Vaters<\/p>\n<p>SPIEGEL: Ihr Vater, der Country-S\u00e4nger Johnny Cash, hat mehr als 500 Songs geschrieben, seine Karriere dauerte ein halbes Jahrhundert. Er hat zeit seines Lebens Drogen genommen. Wie w\u00e4chst man auf mit einem abh\u00e4ngigen Vater?<\/p>\n<p>Cash: Mit neun oder zehn habe ich mitbekommen, was los war, mein Vater nahm damals zu viele Schmerzmittel. Er war dann wie ein anderer Mensch, zerstreut, ohne Verst\u00e4ndnis. Darunter hat auch meine Mutter gelitten. Es ist nie nur der Abh\u00e4ngige, der krank ist. Die ganze Familie leidet.<\/p>\n<p>SPIEGEL: Trotzdem ging Ihr Vater st\u00e4ndig auf Tour und nahm die Familie mit. War es unterwegs einfacher?<\/p>\n<p>Cash: Das war toll, ich habe viele Menschen getroffen, unglaubliche Orte gesehen. Als Junge wollte ich so werden wie er, die Leute unterhalten, auf der B\u00fchne stehen. Aber das Leben in der \u00d6ffentlichkeit hat meinen Vater auch ein bisschen von mir weggezogen.<\/p>\n<p>SPIEGEL: Sie machten sp\u00e4ter Musik, wie Ihr Vater, nahmen schon als Jugendlicher Drogen, wie Ihr Vater. Mit 21 machten Sie mit ihm einen Entzug.<\/p>\n<p>Cash: Ich habe als Jugendlicher eine gro\u00dfe Leere in mir gef\u00fchlt. Als wir den Entzug machten, schrieben wir uns viele Briefe, das hat uns sehr zusammengeschwei\u00dft.<\/p>\n<p>SPIEGEL: Haben Sie ihm verziehen?<\/p>\n<p>Cash: Es war oft schwierig mit ihm, aber da waren nicht nur dunkle Seiten. Ich habe ihn auch als einen lachenden, verst\u00e4ndnisvollen Mann in Erinnerung. Wir waren fischen und wandern, er war sehr religi\u00f6s und ein leidenschaftlicher Leser. Ich gehe mit meinen Kindern auch in die Kirche, wir beten und lesen viel, auch die Bibel.<\/p>\n<p>SPIEGEL: In Ihrem Buch \u00fcber Ihren Vater finden sich viele private Briefe und Notizen.<\/p>\n<p>Cash: Als meine Eltern vor acht Jahren gestorben sind, musste ihr Haus verkauft werden. Auf dem Dachboden fanden wir Tonbandaufnahmen, Filmrollen, Medaillen. Und die Liebes-briefe, die mein Vater an meine Mutter geschrieben hat. In denen war unglaublich viel Herz.<\/p>\n<p>John Carter Cash: &#8222;Mein Vater Johnny Cash&#8220;. Knesebeck Verlag, M\u00fcnchen; 160 Seiten; 39,95 Euro.<\/p>\n<p>[\u00a9 <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-84162315.html\">DER SPIEGEL<\/a>, 09\/2012]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>John Carter Cash, 41, Musikproduzent, \u00fcber das Verm\u00e4chtnis seines Vaters SPIEGEL: Ihr Vater, der Country-S\u00e4nger Johnny Cash, hat mehr als 500 Songs geschrieben, seine Karriere dauerte ein halbes Jahrhundert. Er hat zeit seines Lebens Drogen genommen. Wie w\u00e4chst man auf mit einem abh\u00e4ngigen Vater? Cash: Mit neun oder zehn habe ich mitbekommen, was los war, mein Vater nahm damals zu viele Schmerzmittel. Er war dann wie ein anderer Mensch, zerstreut, ohne Verst\u00e4ndnis. Darunter hat auch meine Mutter gelitten. Es ist nie nur der Abh\u00e4ngige, der krank ist. Die ganze Familie leidet. SPIEGEL: Trotzdem ging Ihr Vater st\u00e4ndig auf Tour und nahm die Familie mit. War es unterwegs einfacher? 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